Ein Brief an unsere Leser
Ich mach's kurz - oder so kurz wie möglich. Anfang des Monats haben wir unsere Startnext Kampagne gestartet, um mit eurem Support die Jubiläumsausgabe unseres Yearbooks zu drucken. 20 Jahre BLUE; Das sind 20 Jahre Surfkultur, die in gedruckter Form irgendwo weiterleben. Das klingt ziemlich pathetisch, aber Pathos und Wellenreiten gehören eigentlich immer schon zusammen. Jeder von uns findet seinen eigenen Zugang zum Surfen - für manche ist es eine gelegentliche Alltagsflucht, andere machen es zu ihrem Lebensmittelpunkt. Gemeinsam ist uns allen, dass wir mit der Zeit eine ganze Welt von Erfahrungen, Eindrücken und Interpretationen um die Zeit im Wasser aufbauen. Die Bandbreite ist enorm: Orte, Menschen, Klänge, Gerüche, Gefühle.
Ich werde zum Beispiel nie vergessen, als ich 1997 das erste Mal durch den Hart Beach Shop am Hafen von Scheveningen schlich. Es roch nach Sexwax und Fiberglas, ich war fasziniert von der Sammlung alter Bretter unter der Decke und hatte irgendwie Schiss vor den Locals die in der hinteren Sofa-Ecke einen Surffilm schauten - wahrscheinlich auf VHS, wahrscheinlich von Taylor Steele.
Shops à la Hartbeach haben bis heute einen besonderen Stellenwert in meiner Auffassung vom Surfen. Das eine Brett, das ich mir als Grommet nicht leisten konnte; die überzogenen Geschichten nach den Sessions und all die Filme, Bücher und Magazine, die sich in jeder Ecke stapelten. Über 20 Jahre später kann man theoretisch alles im Netz bestellen und vor die Tür geliefert bekommen, während man sich auf Instagram jede Welle, die in den letzten fünf Minuten gesurft und gefilmt wurde reinzieht.
Es gibt mehr Möglichkeiten, mehr direkte Zugänge und mehr Auswahl denn je, doch das Greifbare, das Erlebte lässt sich meiner Meinung nach nicht digitalisieren und bleibt auf der Strecke. Es geht um mehr als bloße Nostalgie.
Als Nordsee-Surfer bleibt einem relativ viel Zeit durch die Erinnerungen der Lichtgestalten aus den Magazinen zu blättern. Surfer Magazine, The Surfer's Journal, Transworld Surfing, Tracks Magazine, ich hab sie alle verschlungen. Als ich dann 2001 auf Sylt zum ersten Mal eine BLUE in die Finger bekam, stellte das meine bisherige Surf-Weltanschauung auf den Kopf. Magazine waren nicht mehr ausschließlich den unerreichbaren Heldentaten unbekannter Legenden gewidmet. In der ersten Ausgabe der Blue wird Marlon Lipke als frisch gebackener Junior Euro-Champ interviewt und Thomas Lange setzt sich mit Localism auseinander.
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Obwohl diese Artikel wahrscheinlich eher nicht für einen 11-Jährigen geschrieben wurden, war ich plötzlich mittendrin statt außen vor. Surfen war viel mehr, als ich bisher geahnt hatte und vor allem viel näher.
Seitdem begleitet mich die BLUE. Genau wie Surfshops, VHS-Kassetten, dann DVDs und inzwischen eher Surf Film Nächte, der Geruch von Sexwax, der Gestank meines Winterneos, der Weg durch den Pinienwald zur Düne bei Sonnenaufgang und die Radtour zu meinem Homespot am Noord in Scheveningen.
Für euch ist es anders, doch ich bin mir sicher, die BLUE bedeutet euch etwas! Wir haben knapp die Hälfte des Fundingziels erreicht und stellvertretend für die gesamte Redaktion möchte ich mich bei der gesamten Community, den Unterstützern, den Surfern, Autoren, Fotografen und Künstlern bedanken. Auch wenn sich dieses Jahr vieles geändert hat, finden wir, dass es sich lohnt, an dieser gedruckten Tradition festzuhalten. Besonders weil wir dieses Jahr eine Sammlung von Geschichten parat haben, die des zwanzigjährigen Jubiläums wirklich würdig ist.
Ich hoffe also, dass wir den anfänglichen Schwung der Kampagne in die zweite Hälfte mitnehmen können und baue weiter auf eure Unterstützung. Wir sind gut zu erreichen und offen für Vorschläge und Feedback, falls ihr Ideen zum Crowdfunding habt. Teilt was das Zeug hält und wir schaukeln das Ding zusammen zur Druckmaschine.
Vielen Dank für die großartige Unterstützung,
Euer Jan